Die Anlage eines Hemerocallisgartens im Rosenpark Reinhausen klingt ja zunächst einmal nicht so wirklich passend oder einleuchtend.
Ich habe aber schon lange eine Vorliebe für diese pflegeleichte Staude.
Zunächst nur, weil sie in so vielen Farbabstufungen zu bekommen ist bzw. gezüchtet wurde, so daß eigentlich immer eine Sorte als Begleitpflanze farblich mit anderen Stauden oder Rosen zu kombinieren ist.
Einige meiner Lieblinge haben es deshalb auch relativ schnell in den Rosenpark geschafft.
Wenn man nicht zu pingelig ist – und deshalb die jeweils in einem Tag abgeblühte Blüte der Taglilien abzupft, damit sie nicht in ihrer Vergänglichkeit die neuen frischen Blüten des nächsten Tages beleidigen mög -, ja, dann hat man eigentlich jahrelang nichts anderes zu tun als sie einfach eines Tages zu pflanzen und sich jahrelang an ihnen zu erfreuen.

So auch diese „Berleyer Sarabande“, die sich schon mindestens ein Jahrzehnt jedes Jahr in mein Herz geblüht hat.

Die Berleyer Sarabande wurde gezüchtet von Gudrun Tillmann-Budde, die ich in einem Gartenforum kennenlernte und dann zur Taglilienblüte in ihrem Züchtergarten besucht habe. Und ich bin natürlich von dort nicht weggegangen, bis ich mir ein paar schöne Taglilien ausgesucht und käuflich erworben hatte.

Bis dann eines Jahres die Fläche, die Gudrun Tillmann-Budde zur Pflanzung und Selektierung ihrer neuen Züchtungen gepachtet hatte, binnen relativ kurzer Frist abgegeben werden mußte. Sie wußte nun nicht, wohin mit ihren „Kindern“. Es drohte der Komposthaufen.
Ich fand das ganz schrecklich und dachte an meine großen damals noch teilweise recht leeren Beete und Flächen im Park und bot ihr an, dem Teil ihrer Lieblinge, den sie gern retten wollte, im Park sozusagen Asyl zu gewähren.
Im Herbst jedenfalls fuhren meine damalige Mitarbeiterin und ich zu ihr und luden insgesamt etwa 100 Taglilien, beschriftet und in Tüten verpackt, ins Auto und pflanzten sie dann im Park in lange Beete, in denen bisher nur damals noch kleine handzahme Rambler standen.

Die Rambler wurden allerdings schnell groß und die Hemerocallis standen im Schatten, was sie nicht gern mögen.

Und außerdem waren sie in großer Masse dann doch nicht der nette Anblick vor diesen Ramblerzaunbeeten, teilweise vermittelten sie nach der Blüte den Eindruck von großen Ungräsern.
Auch zur Blütezeit stahlen sich teilweise die Blütennachbarn in unterschiedlichen Farben gegenseitig die Schau.

Nun stellte sich zudem dann heraus, daß die Züchterin nicht die Möglichkeiten hatte, sie wieder zurückzunehmen.
Was also tun?
Natürlich wollte ich diese zum großen Teil wunderschönen Pflanzen, die ja fast alle Unikate waren, nicht wegwerfen.
Und es kam hinzu, daß der Park nur im Juni und Juli geöffnet war, es aber während der Jahre mit den harten Wintern meist spätestens Mitte Juli mit der Rosenblüte vorbei war. Dies ist aber die Hochzeit der Hemerocallisblüte. Hemerocallis sind also ideal, um dieses „Loch“ zu überbrücken.

Zunächst aber geschah garnichts. Dazu mußte erst ein weiterer Umstand kommen:

Den Ausschlag gab dann, daß ich auf den Flächen im Park, die abwechselnd 6 Jahre für die Rosenvermehrung gedient hatten und deshalb wegen der Probleme „keine Rosen nach Rosen“ nicht wieder mit Rosen bepflanzt werden konnten, eine Weiternutzung suchte.
So entstand also die Idee, hier 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und einen Garten speziell für die Taglilien anzulegen.

Ich liebe es, auf dem Papier Entwürfe zu Beetanlagen zu machen und hier konnte ich mich nun voll austoben! Ich wählte eine Fläche aus, maß sie und übertrug sie verschwenderisch auf umweltgefährdend viel Papier für immer neue Entwürfe.
Am liebsten hätte ich einen Irrgarten angelegt. Doch leider sind ja Hemerocallis nicht hoch genug, so daß einem der Überblick nie verloren gehen würde. Und stattdessen daß, wie ich mir erhoffte, die Besucher an ALLEN Taglilien vorbeigeführt würden, hätte ein solcher Garten sicher nur zu sehr unlieben Abkürzungen und Trampelpfaden geführt…

Deshalb wählte ich also eine mir gefallende recht geometrische Anlage der Beete, die dazu dienen sollte, alle Taglilien zum Betrachten und Beschnuppern etc. zugänglich zu machen.
Anfang September 2012 nun wurde die Fläche vorbereitet und die Beetvorlage auf die Fläche übertragen und kenntlich gemacht.

Dann wurden die schmalen Wege etwas ausgeschachtet, um Wege und Beete zu trennen und die ersten Hemerocallis, nämlich die, die sich in Töpfen anfanden (wo kommen nur solche vielen Pflanzen immer her? Ob ich die wirklich alle kaufe und tausche? Oder ob da nicht doch eine geheime wundersame Vermehrung stattfindet?? Oder ob sie mir doch einfach alle zulaufen?) wurden nach Farben eingeteilt und schon mal als erstes in die neuen Beete gestellt.

Nach dem Pflanzen der ersten Hemerocallis war die Zeit, das Fassungsvermögen des Gartens abzuschätzen und erste Begleitstauden zu pflanzen. Ich kenne aus Gärten oder Flächen mit sehr großer Anzahl an Hemerocallis, daß, egal wie viele rote, rosa, weiße oder „blaue“ Hemerocallis dort stehen, von weitem immer nur das Gelb dominiert.

Mein Entwurf trennt streng nach Farben.

Wobei die Strenge im Verlauf zwischen der Idee, dem Entwurf und der Umsetzung sowie dem Eigenwillen der Pflanzen, was ihre Blütenfarben angeht, stetig abnimmt. Jedenfalls gibt es einen Farbverlauf in den äußeren Beeten (sozusagen dem Rahmen um das Bild) von links vom Eingang angefangen in Uhrzeigerrichtung von schwarzrot und dunkelrot zu reinem Rot, was es natürlich bei Hemerocallis nicht gibt, weiter zu rostrot und orangerot. Hier sind wir dann an der linken hinteren Ecke angelangt und das dem Eingang gegenüberliegende Beet links vom hinteren Eingang ist dann voller orangefarbener und leicht aprikosiger Blüten. Rechts dann vom hinteren Eingang geht es weiter mit goldgelb, das aufhellt bis zu creme und sanft cremerosa und über rosa und altrosa Töne zu lila und von dort, dann wieder vorn an der Eingangsseite angekommen, bis zu violett und dunkelviolett überleitet.

Die vielen mehrfarbigen Hemerocallis passen hier nicht hinein. Für sie sind die 6 Beete im Inneren der Anlage reserviert, auch schön sortiert, zumindest im Versuch.
Erschlossen werdn diese Beete von krude winkligen Wegen, bei denen ich manchmal wenigstens eine überraschende Sackgasse „anbringen“ konnte. Kein wirklicher Ersatz für einen Irrgarten, aber auch schon erfreulich ;-).

Die jeweils dominierenden Farben sollten durch Begleitstauden unterstützt oder überhöht werden.

In der Mitte bleibt eine Fläche frei für ein noch nicht konkretisiertes Objekt, das Mittelpunkt und Schutz und Ruhepol für Besucher werden sollte.

Aber nun waren noch etwa einhundert Hemerocallis aus den Ramblerbeeten auszugraben, jeweils in Stücke zu teilen und einen Teil in die neue Anlage zu setzen, die weiteren zu teilen und zu topfen, um sie in folgenden Jahren hoffnungsvoll für Kunden bereitzuhalten

Als letztes wurden die nackten Beetflächen mit Zeitungen belegt und mit Kompost abgemulcht.

Natürlich wurden alle Pflanzen akribisch mit Schildern versehen und in einem Lageplan verzeichnet, bevor der neuangelegte Hemerocallisgarten in seinen ersten Winterschlaf fallen durfte.

Im nächsten Jahr nun freuten wir uns darüber, daß fast alle Hemerocallis den Winter überstanden hatten (nur die beiden am teuersten ersteigerten Hems hatten sich mal wieder verabschiedet) und setzten unsere Arbeit fort.

Die Wege wurden mit einem Geotextilvlies abgedeckt und aus dem Schreddermaterial, das wir aus den – das erste Mal angebrachten und das erste Mal seit 5 Jahren nicht gebrauchten – Winterabdeckungen der Rosen gewonnen hatten.
Das Material reichte nicht aus, auch nicht mit Unterstützung von ein paar Kubikmetern gekauften Schreddergutes, und leider mußten wir in diesem ersten Blütenjahr mit einigen unschönen hervorblinzenden Stellen Vlies leben.

Wir haben begonnen, die Beete mit meist Eschenaufwuchsstämmen zu den Wegen abzugrenzen. Diese Arbeit wird mangels Materials sicher einige Jahre in Anspruch nehmen. Spätestens wenn die ersten Stämme dort verrotten, werden wir damit fertig sein…

Nicht nur das Unkraut bohrte sich zuverlässig durch die Zeitungen und das Mulchmaterial, auch die Hemerocallis und die Begleitstauden legten sich mächtig ins Zeug.

Auf diesem Bild nun erahnt man so merkwürdige Metalltürme an den Ecken des Hemgartens.
Diese waren eigentlich speziell angefertigt worden für einen Spalierweg im Rosengarten, der unter anderem von Ramblern gesäumt wird und einen uralten erhöhten Weg, vielleicht der archäologische Rest eines Dorfwalles um den ehemaligen Burg- und Klosterort Reinhausen, betonen soll.
Nur wurden sie im Juni kurz vorm offenen Garten geliefert. Und hätten wir sie irgendwo sonst im Park gelagert, hätte dort nicht gemäht werden können und wir hätten eine sehr unordentliche große Ecke vorzeigen müssen, was ich nicht gern tue, was sich zu den meisten Zeiten aber auch nicht vermeiden läßt, was ich aber in diesem Fall zu verhindern wußte.

Wir stellten sie nämlich einfach erst einmal auf die Ecken des Hemerocallisgartens, wo es schließlich gemulcht war und das Sauberhalten einfacher.

Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß sie sich immer noch dort befinden, oder? Und sich auch weiterhin dort befinden werden, denn sie erzeugen ein wenig die Illusion, daß der Garten kuschelig und geschützt und abgegrenzt zwischen diesen Türmen steht statt sich irgendwie irgendwo im Park zu verlieren.

Und dann war plötzlich die erste Hemerocallisblüte im neuen Garten da!
Noch ein Dreivierteljahr zuvor war hier nur ein kleines Feld.

Und hier nun ist ein erster Versuch zur Gestaltung des Mittelpunktes (Der Rest eines Folientunnels im Hintergrund störte sehr und wurde dann im Laufe des Sommers entfernt).
Am Ende unserer Öffnungssaison im Park stellten wir einen Pavillon mit Dach auf.
Wir genossen ihn sehr in unseren Arbeitspausen und bei Arbeiten, die sich im Sitzen erledigen lassen müssen, wie Stecklinge schneiden oder Pflanzen inventarisieren.
Die Vergangenheitsform ist ernst gemeint und grollt jetzt wie eine Filmmusik von Herrn Zimmer bis zur Mitteilung daß –
er sich nach einer starken Windböe nach starkem Regen, ausgerechnet in der Nacht vor unserem großen Herbstevent mit hunderten Besuchern, dem Herbstzauber im Rosenpark am 3. Oktober, entschlossen hatte, sich in die Lüfte zu erheben und sich um einen der Metalltürme zu wickeln, was einen Totalschaden zur Folge hatte….
Wenn ich mal Geld habe, dann kommt dort ein schöner, teurer, haltbarer Pavillon hin!

Und nun einfach folgend ein paar Eindrücke der ersten Blüte im Hemsgarten:

Hier nun ein Bild der problematischen Seitenränder der Beete, die wir dann…

…nicht schön, aber praktisch gestaltet haben.

Werfen Sie doch auch einmal einen Blick auf den neuen Garten. Noch im Jahr 2013 haben wir die größten Lücken im Bestand und in den Beeten gefüllt. 2014 wird vor allem an der besseren pflanzlichen Begleitung gearbeitet werden.