Ein katastrophaler Jahresanfang!
Im Glauben an die globale Erwärmung haben wir veredelte Unterlagen mehr oder minder halbherzig geschützt, Containerrosen wie in anderen Jahren vertrauensvoll im Freien gelagert, gepflanzte Rosen nur in Einzelfällen mit Weihnachtsbaumzweigen ( bei einem Park braucht man schon eine Sammelstelle in der Nähe, da reicht das heimische Bäumchen natürlich nicht) abgedeckt.
Rambler, die doch als ausgesprochen winterhart gelten und hier bisher fast nie zurückfroren, wurden selbstverständlich nicht geschützt.
Nun kam aber alles anders: 9,5 Wochen Dauerfrost und Tiefsttemperatur – 30 Grad am Boden. Und das alles bei Kahlfrost.
Kommerziell waren es vor allem die vielen erfrorenen Containerrosen, selbst wurzelechte Gallicas und Moosrosen waren betroffen und dann die vielen Veredelungen, die es nicht über den Winter geschafft hatten. Natürlich hatte ich gerade im Sommer 2008 empfindliche dunkelrote und andere Remontantsorten veredelt. Da waren dann 15 cm Erde den kleinen Augen doch zuviel. Dabei hatte ich mich im Herbst bei etwa 50 Veredelungen vergewissert, ob sie noch leben und war so stolz auf die festgestellte 0% – Ausfallrate.
Nach dem Winter hatte es mindestens zwei Drittel dahingerafft. Einzig Gallicas und Albas standen fast völlig ohne Schaden da.

Was den Park am meisten betroffen hat und mein Erstaunen geweckt hat, war, daß von 125 Ramblern und Kletterrosen ganz 5 Stück ohne Schaden waren, einige behielten wenige Triebe, an denen sie blühten, alle anderen froren bis völlig zum Boden zurück.
Die armen Ramblerzäune! Im dritten Jahr waren sie wieder völlig nackt!

Eine weitere Erfahrung war: ich kann einige extrem winterharte Sorten empfehlen! Ich versuche es als bloße Erweiterung des Horizontes zu sehen.

Nuhn ist die große Frustration dieses Jahres der Grund dafür, daß das erste Bild des Jahres 2009 vom Rosenpark in Reinhausen erst aus dem Mai stammt.

Und dann war plötzlich alles nach diesem Winter so früh dran mit Blühen – als erste Rose stand die Hurdalsrose im Albaquartier (sie ist keine Alba, wird aber als eine verkauft) in Blüte.
Die Aufnahme ist am 28. Mai entstanden.

Ein erster Blick aus dem Vergleichsquartier der dunklen Alten Rosen. Im Vordergrund links unten Mahaeca, rechts Violacea.

Ein Teil der Alba-Vergleichsbeete, hier im Vordergrund die Beete mit den Maxima-Typen.

Der Blick aus den Gallicabereichen zum jetzt leeren Ramblerzaun, der den Schaugarten von den Vermehrungsflächen trennt.

Die Moosrosen mit Blick auf das neue Gewächshaus. Im Vordergrund die sehr wüchsige Parkzauber von Kordes.

2 Beete wieder aus dem Vergleich der dunklen Alten Rosen.
Im Vordergrund Nestor und die helle Ombree Parfaite von Schultheis – dieselben Rosen übrigens.

Am 14. Juni dann der Tag des offenen Gartens mit über 900 Besuchern im Rosenpark.

Zur Hauptblütezeit im Vordergrund ein Teil der Albabeete, dahinter die dunklen Alten und hinten der Blick in die Gallicabeete.

Ein Teil des Zauns am Weg. Ganz vorn links Venusta Pendula, eine der 5 vom Winter völlig unbeschadet gelassenen Rambler, ein wenig weiter dann Tender Blush, die Züchtung von Rolf Sievers, die eigentlich eine Strauchrose ist, hier am Zaun klettert und auch keinerlei Schaden genommen hat.

Vorn wieder Venusta Pendula, ein beliebtes Fotomotiv im letzten Jahr, da es sonst ja kaum üppige Kletterer zu sehn gab…

Und einmal wieder ein größerer Überblick.

Die Albaquartiere im Vordergrund

Snowdon, eine Austinrose (erstaunlicherweise hat auch er ein paar wenige für unser Klima gut geeignete Rosen gezüchtet)im Vordergrund.
Hintergrund ist Vergleichsquartier.

Rechts das Centifolienbeet, fast ausschließlich mit Fundrosen aus der Region bestückt (und einem schwarzen Mohn…), das Eckbeet in der Mitte beherbergt mehrfachblühende ältere und neuere Rosen, eine von mir gern „Blühgemüsebeet“ genannte Mischung.
Links vorn übrigens Constance Spry, auch eine, einmalblühende, Englische Rose, die den Winter schadlos überstanden hat.

Blick auf die Moosrosen, dahinter das Gallicaquartier. Hier kann man sehr gut die Entwicklung der Anpflanzungen sehen: im Vordergrund jeweils die gerade im letzten Herbst neu gepflanzten Rosen, meist auch kleine wurzelechte, dahinter ein zweijähriges Beet, als letztes dann die ältesten Beete, etwa 3 Jahre alt.
Es begeistert mich immer wieder zu sehen, wie die kleinen Rosen in kurzer Zeit zu riesigen Rosen heranwachsen.

Dunkle Alte Rosen im Vordergrund (Hippolyte gerade vorn), im Hintergrund dann wieder die Albas.

Zweijährige Gallicas!

Die drei L-förmigen Gallicabeete. Vorn die Fundrose „Kießling Osnabrück“.

Die Kurve mit dem Rasenweg zwischen den jeweis 2- und 3-jährigen Gallica und dahinter dito Moosrosenbeeten.

3-jährige Gallicas

Alba-Beete, rechts vorn die Sektion Blush Hip.

Vorn mal die Chlorisvarianten im für sie ungewohnten Weiß. Wenn jemand in einem solchen Jahr zu einem solchen Zeitpunkt Fotos von diesen Rosen macht und dann hochrechnet, das sei immer so, so wäre mal wieder große Verwirrung entfacht.

Im Vordergrund Pompon Blanc Parfait.

Leider liegt abends der Rosenpark im Schatten, während die Klosterkirche Reinhausen darüber strahlt.

Der Blick von weiter vorn vom Eingang, rechts am Zaun das heimliche dunkelrote Rosen-Vergleichsbeet.
Links Mitte ist das neue Beet in erster Linie mit roten Remontant- und Teehybriden.
Die große Rose rechts am Bildrand ist mein großer Favorit, Star of Waltham. Eine der ganz wenigen öfterblühenden Rosen, die den Winter völlig unbeschadet überstanden hat.

Links im Bild das Beet mit den hellrosfarbenen Gallicas, die letztendlich dort auch zum Vergleich stehen. Es soll ja Leute geben, die im Prinzip alle Gallica-Rosen aus diesem Farbbereich als Duchesse de Montebello ansehen. Das kann ich natürlich nicht so stehen lassen ;-). Dort stehen übrigens auch schon fast 50 Rosen!

Langsam geht die Blüte zuende. Etwa in der Mitte noch viel Weiß – das sind die oft als Alba bezeichneten und verkauften Rosen, die alle identisch sind mit Mme Plantier, nämlich Armide, ab und an auch Mme Hardy und Mme Legras de St. Germain. Vielleicht Noisette-Hybriden.
Vorn wieder Venusta Pendula ;-).

Hier sieht man die „Mme Plantier-Gruppe“ noch einmal genauer.

Das ist nun das neu angelegte Quartier mit den gestreiften Altenh Rosen und denen, die es eigentlich sein sollten.
Gleich vorn bzw. mittig im Bild eine Rose von Pötschke, die er unter dem Namen Ferdinand Pichard verkauft. Das ist aber eine moderne Rose, vielleicht eine der Maler-Rosen. Aber von denen habe ich keine Ahnung – nur ist es eindeutig, daß dieselbe Rose in Lottum unter dem Namen Camaieux verkauft wird…

Noch einmal vorn die Beete mit den dunklen Alten Rosen, im Hintergrund dieses Teils sind dann die gestreiften Rosen im Vergleich.

Noch einmal aus den Gallicarosen hinüber zu den Moosrosen fotografiert.

Die beiden jüngeren Gallicabeete. Hier stehen meist Rosen, die aus Sangerhausen stammen und als Sicherheitsduplikate für die Rosen im Rosarium dienen.

Noch einmal ein Gallicareihe: Vorn Violacea, sonst meist Fundrosen im weiteren Verlauf.

Hier im Hintergrund mal die Damaszenerreihe, allerdings nach ihrer Blütezeit. Davor das „gelbe“ Beet, wieder meist „Blühgemüse“, also öfterblühend. Hier stehen auch viele gelbe und weiße Austinrosen. Man kann es ja kaum glauben, aber auch diese werden ja mit der neuen Firmenpolitik kaum noch zu kaufen sein und verdienen deshalb einen Platz zum Überleben. Natürlich nur, wenn sie sich hier auch auf Dauer in unserem Klima bewähren ;-).

Aber nun ist die Blüte ziemlich vorbei, die Veredelungsunterlagen warten…

Die folgenden Bilder stelle ich mit ein, weil ich finde, daß der Park auch von seiner Anlage her schon nett wirkt, wenn nicht mehr alles in Blüte steht. Er ist dann sehr beruhigend.

Noch ein wenig Platzreserve. Allerdings kamen beim Tag des offenen gartens schon Leute, die mich und meine Gärten kennen und redeten mir ins Gewissen, diese weiten Flächen auch so zu lassen und nicht wie immer alles weiter mit Beeten zu verkleinern bzw. natürlich die Zahl der Pflanzen zu vergrößern.
Ich stimme ihnen ja zu. Aber die Rosen werden nun einmal mehr. Und gerade hier war gleich, als ich vor 4einhalb Jahren das Grundstück das erste Mal auf eine solche Nutzung hin ansah, vor meinen Augen schon ein Rosenlaubengang. Denn hier ist so etwas wie ein erhöhter alter Weg, von dem man immerhin um ca einen Meter erhöht auf die Beete ringsum hinunterblicken kann.
Ein Gespräch mit Herrn Grote, dem Kreisarchäologen, hat die Vermutung bestätigt, daß es sich hier um die Reste eines alten Dorfwalls, der die ehemalige Burg Reinhausen und das umgebende Dorf geschützt hat, handeln könnte.

Hier vielleicht noch einmal zu erahnen, der alte Weg auf einem noch älteren Wallrest.

Und noch einmal der Blick vom Eingang her in den kleinen Park.

Und hier nun das schwerste, was das Jahr gebracht hat:
meine Mitarbeiterin Kirstin Schade (weder verwandt noch verschwägert, sondern Zufall, das mit dem Namen), die den Park mit mir gemeinsam aufgebaut hat und mit der mich mit den Jahren sehr viel mehr eine Freundschaft als ein bloßes Arbeitsverhältnis verbunden hat, verstarb plötzlich und völlig unerwartet Heiligabend im Alter von nur 38 Jahren. Sie hinterläßt zwei kleine Mädchen im Grundschulalter.
Gerade im letzten Jahr, das ein von persönlichen Schicksalschlägen reiches Jahr für mich war, hat sie im Herbst den ganzen Betrieb verantwortlich mit auf ihren Schultern getragen und ich verdanke ihr sehr viel.
Ich hatte ihr als wir uns im Dezember in die Betriebsferien verabschiedet haben, scherzhaft gesagt, als Dank würde ich eine Rose nach ihr benennen, wenn denn bei den Sämlingen einer dabei sei, der es lohne. Sie hat sich so gefreut, daß ich es mir dann tatsächlich vorgenommen habe.
Nun kann ich ihr diese Rose dann nur noch auf ihr Grab pflanzen.
Und das werde ich mit Sicherheit auch tun.

Aber dann – wieder ein so harter Winter!

Für das neue Jahr (im Vordergrund sieht man übrigens schon das neu angelegte Beet mit „blauen“ Rosen für den Rosenlaubengang) bleibt jetzt die Hoffnund darauf, daß nicht so viele Verluste zu beklagen sein werden wie im Jahr 2009. Und mit zwei neuen Mitarbeiterinnen wird das hoffentlich auch gelingen.
Zeit für den Frühling!